TRÄGERIN DES KIRMESKRÖNCHENS

Als 227. Trägerin wurde Neele Fischer ausgewählt

Wenn sich am Morgen des Schützenfest-Sonntages die Aktiven mit Schützenkönig und Komitee an der Spitze zum festlichen Hochamt in St. Cyriakus einfinden, setzt zu Beginn des Gottesdienstes nach altem, überlieferten Brauch der Pfarrer einem Mädchen eine Krone, geflochten aus Grün und Rosen, auf das Haupt. Dies ist so seit über 230 Jahren, seit die damalige Besitzerin des Reuterhofes, die Witwe Maria Theresia von Kempis (geb. Freiin von Francken-Siertorpff), dies in der Stiftungsurkunde vom 23. Dezember 1787 bestimmt hat: „Bis zu ewigen Zeiten onabänderlich“ ist zum Feste des Pfarrpatrons ein tugendhaftes Mädchen, das der Pastor zu bestimmen habe, vor der versammelten Gemeinde mit einem Kranz aus Rosen und einem Geldgeschenk auszuzeichnen. Mit dieser Stiftung wollte Theresia von Kempis in einer Zeit „täglich mehr einreißender Verderbnis“ der Jugend einen Ansporn zu gesitteterem Lebenswandel geben. Erst Jahrzehnte später etablierte sich in Grimlinghausen ebenfalls zum Pfarrpatrozinium das Schützenwesen. Der Volksmund machte dann aus der Tugendkrone das „Kirmeskrönchen“. Das ursprüngliche Stiftungskapital der Maria Theresia von Kempis ist schon lange den Wirren der Zeit zum Opfer gefallen; dankenswerterweise hat die Stadt Neuss nach dem Erwerb des Reuterhofes ab 1955 die Weiterführung dieser auf dem Hof lastenden Verpflichtung übernommen.

Die Auswahl der Trägerin des Kirmeskrönchens fällt in die Zuständigkeit des leitenden Pfarrers der Katholische Kirchengemeinde St. Quirinus (zu der auch St. Cyriakus gehört) Andreas Süß. In diesem Jahr hat er sich für Neele Fischer entschieden. Sie wird als die 227. Trägerin des Kirmeskrönchens im Pfarrarchiv urkundlich eingetragen und erhält diese Auszeichnung in der Festmesse am Schützenfestsonntag in der Pfarrkirche St. Cyriakus.

Die 20 Jährige Neele ist in Grimlinghausen fest verwurzelt und engagiert sich seit vielen Jahren im Dorfleben.
Schon vor ihrem Studium war Neele in Grimlinghausen aktiv – angefangen bei den Messdienern, dem Jugendtreff der Gemeinde bis hin zu Feierlichkeiten der Heimatfreunde. Auch heute engagiert sie sich weiterhin dort und unterstützt unter anderem die Gestaltung des Dorfabends. Damit setzt sie eine Familientradition fort und tritt in die Fußstapfen ihrer Mutter Eva, ihrer Großmutter (Kirmeskrönchen von 1965) und ihres Urgroßvaters, der in den 1950er Jahren Karnevalsprinz war.
Auch väterlicherseits ist die Verbundenheit zum Brauchtum tief verankert: In der Familie ihres Vaters Thomas – ebenso wie bei Bruder Kai – findet sich kein männliches Mitglied, das nicht im Jägercorps aktiv ist oder war – und das bereits in mindestens vierter Generation.
Nach der Pestalozzi-Grundschule besuchte Neele das Nelly-Sachs-Gymnasium, an dem sie 2023 ihr Abitur machte. Seitdem studiert sie Journalismus und Unternehmenskommunikation in Köln und sammelt im Rahmen ihres dualen Studiums parallel praktische Erfahrungen im PR-Bereich. Ein Weg, der zu ihr passt: kommunikativ, engagiert, offen. In ihrer Freizeit findet man sie beim Sport im Fitnessstudio, mit einem Buch oder mit Freunden unterwegs in der Domstadt.
Für ihr Tugendkrönchenjahr hat Neele zwei besondere Begleiterinnen gewählt: Jana und Klara Markgraf, selbst ehemalige Kirmeskrönchen. Verbunden sind die drei nicht nur durch ihr aktives Gemeindeleben, sondern vor allem durch die enge Freundschaft ihrer Mütter. So wuchsen die Mädchen mehr wie Cousinen auf – die Familie Markgraf ist für Neele längst zur zweiten Familie geworden.